Meine Erfahrungen in einem der “ärmsten” Länder der Welt

Wenn man nach Nepal kommt und etwas ganz spirituelles erwartet (hohe Berge, viele Tempel), mystische Orte an denen man Mönche trifft, die geheimnisvoll sind, dann hat man zu viele Filme gesehen, die allerdings in Tibet gespielt haben.

Zugegeben, hohe Berge gibt es hier natürlich. Zum Beispiel auch den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest (8850m) und auch noch ein paar andere der höchsten des ganzen Planeten.

Aber seit der Zeit des Bergsteigens, in der sich ganz viele “wirklich spirituelle” Europäer, manchmal auch Amerikaner, sehr selten Chinesen dazu bewegen, diesen höchsten aller Berge zu erklimmen, ist es mit den Mysterien ja auch schon vorbei. Einer nach dem anderen reiht sich in die Liste der vielen Menschen ein, die den Sagarmatha, so heißt der Mount Everest (für uns westlichen Menschen besser verständlich nach einem Engländer benannt), erklommen haben.

Zum Unglück vieler Nepali ist diese Umgestaltung der tatsächlich religiös sehr wichtigen Stätte, zu einem Freizeitpark für Müll-Touristen, eine sehr traurige Angelegenheit. Denn es gab auch mal Zeiten, da hat man sich über Bergsteiger gefreut, die im besten Falle nicht sterben, und im noch viel besseren Fall auch ihre Abfälle wieder mit herunter nehmen.

Wie dem auch sei, was hat das mit meinen Erfahrungen in Nepal zu tun? Nichts. Richtig. Deswegen komme ich einfach mal wieder zum Thema der Überschrift zurück.

Ich habe damals, als ich das Land zum ersten Mal bereist habe keine großen Erwartungen an das Land gehabt. Natürlich dachte ich, es sei spirituell, magisch und alles das, was ich oben bereits angesprochen habe. Aber ich habe nichts erwartet, was auch nur ansatzweise nach Komfort klingt. Folgerichtig wurde ich in eine viel angenehmere Situation geworfen, als ich mir ausgemalt habe. Klar. Nichts an Erwartungen bedeutet meistens, dass man positiv überrascht wird.

Und was ich dann in Nepal fand, waren Menschen, die sich gar nicht so sehr mit mir beschäftigen wollten, sondern sich so gezeigt haben, wie sie selber sind. Was ich sehr angenehm fand. Sie machten einfach ihr Ding und sind gar nicht so darauf aus gewesen, mir ans Geld oder was in anderen Ländern, in denen ich bereits gewesen bin, so wichtig war, zu gehen.

Viel mehr war ich einfach nur ein Tourist, der ansonsten aber vollkommen bedeutungslos ist. Denn bis auf ein paar Menschen, hat man hier kaum den Eindruck, dass dieses Land von unserem im “Westen” so verehrten Konsum geprägt ist. Auch wenn man hin und wieder mal ein Smartphone sieht, ist es dennoch sehr sehr selten. Schicke Autos sieht man kaum auf den Straßen. Wenn überhaupt sind es entweder sehr schicke Trucks oder halt Taxis, die auf magische Weise nie kaputt gehen. Und das trotz der Straßenverhätnisse, die bei uns in Deutschland ungefähr bedeuten würden, dass mindestens dreiviertel aller Autos in der Werkstatt sind. Und zwar ständig.

Trucks in Nepal

Alles in allem habe ich sehr positive Erfahrungen mit den Nepali gemacht, die wirklich nicht aufdringlich sind. Habe ich sie allerdings angesprochen, dann wollten sie entweder ganz schnell weg, weil sie sich schämten, kein englisch sprechen zu können (mutmaße ich jetzt einfach mal) oder sie waren wirklich sehr nett und hilfsbereit. Einen unfreundlichen Nepali habe ich tatsächlich bis heute noch nicht kennen gelernt.

Vieles von der Art und Weise, wie sehr die Menschen hier auf einen zugehen ist wohl aber auch ein wenig der Religion zuzuordnen (Hinduismus), die sich sehr damit beschäftigt, dass alles was man im Leben macht, wieder seinen Ausgleich findet und irgendwann auf einen zurückfallen wird. Dadurch gehen, meines Erachtens, die meisten Nepali (91% Hindus, 7% Buddhisten, Rest sonstiges) viel weniger ängstlich durchs Leben.

Natürlich wollen sie auch ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie wollen, sofern sie einen Handelsjob haben auch gerne ihre Waren verkaufen. Nur legte man bislang nicht unbedingt auf Teufel-komm-raus Wert darauf, es um jeden Preis zu tun.

Wie ich vorab in einem Reiseführer gelesen habe, kann es wohl durchaus sein, dass ein Laden dann einfach schon mal geschlossen hat, wenn der Verkäufer um 12 Uhr schon genug verkauft hat für den Tag. In Deutschland unvorstellbar. Denn hier bei uns zählt wirklich nichts mehr als Profit. Was aber auch dem Umstand geschuldet ist, dass wir ansonsten gar keine sinnvollen Aufgaben mehr haben, die unser Überleben sichern könnten. Denn anders als bei uns in Deutschland, gibt es in Nepal natürlich viele Dinge, die man tun kann, um die eigene Situation zu verbessern.

Meiner Erfahrung nach, ist es zum Beispiel die Geselligkeit, mit der viele Nepali hier leben. Großartige Streitereien habe ich noch nicht einmal in Nepal sehen können. Allerdings auch keine Unfälle oder ähnliches. Von Überfällen oder Kriminalität habe ich auch noch nichts gehört. Laut deutschem auswärtigem Amt gehört Nepal zufälliger Weise sogar zu einem der reise-freundlichsten Länder der Welt. Was ich bisher nur bestätigen kann.

Die einzige Gefahr die hier lauert ist das Essen. Das sollte man entweder gekocht genießen oder man spezialisiert sich auf Obst oder Gemüse, das eine Schale besitzt (Banane, Avocado). Frisches Gemüse sollte man als Europäer meiden. Denn die Bakterienstämme hier kennt unser Körper noch nicht und die Hygiene ist ein wenig (sehr viel) niedriger bewertet als bei uns. Auf Fleisch (ja, Fisch ist auch Fleisch) sollte man hier gänzlich verzichten. Und besonders auf Fisch. Wer Eier mag, sollte sich sicher sein, woher diese stammen. Ich habe in dem Dorf Maté ein Ei gegessen, das von einem Huhn stammte, das mit mir im Haus gelebt hat. Und auch das war gekocht und dann nochmal fritiert. Und da ich seit vielen Jahren keine tierischen Produkte mehr gegessen hatte, war mein Fazit: Ja, war ok. Muss ich aber nicht noch einmal haben.

Jedenfalls hatte ich wesentlich weniger Angst vor Chemikalien, Medikamenten und Impfstoffen bei dem Huhn, als ich es in Deutschland hätte.

“Ärmsten Länder”

Wie die Überschrift bereits angezeigt hat, möchte ich noch auf die Armut zu sprechen (schreiben) kommen.

Was Geld betrifft, da sind die Menschen in Nepal nach unserem Standard wirklich sehr arm. Sie hätten nicht das Geld , um das Land jemals verlassen zu können. Es wäre utopisch, zu glauben, dass ein Nepali sich jemals ein neues Smartphone kaufen würde. Es gibt zwar einige Händler, die welche anbieten, allerdings sind sie meistens gebraucht oder viel zu teuer. Sogar für Touristen. Und das, obwohl die ganzen Geräte direkt nebenan in China hergestellt werden.

Man findet in Nepal auch keinen Starbucks. Es wäre einfach viel zu teuer, als dass jemals ein Nepali sich dort so einen Kaffee zu so einem horrenden Preis kaufen könnte.

Was alles natürlich dazu führt, dass Länder wie unsere, gar kein Interesse daran haben, sich auch nur ein kleines bisschen zu engagieren. Denn in unseren Ländern geht es fast ausschließlich nur darum, genau das Gegenteil von dem zu machen, was man hier in Nepal macht. Sich über Konsum zu definieren. Und da Nepal ein sehr Erdbeben-anfälliges Land ist, Fabriken also nahezu ausgeschlossen sind, kann man hier nicht einmal billig produzieren, wie man es in Ländern wie China, Indien, Bangladesh durchaus kann.

Und das ist vielleicht der Reichtum Nepals. Dieses Land ist fast davor geschützt, von uns Europäern ausgebeutet und versklavt zu werden. Und solange das so ist, gehört es für mich zu einem der freiesten Länder der Welt. Dieses Land ist Reich an Freiheit. Und das erkennt man an den Menschen.

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